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Session Protokoll: Die fremde Wohnung

  • Nov 30, 2024
  • 3 min read

Ich bin heute zum ersten Mal bei dir. Bisher haben wir uns zum Spielen immer bei mir getroffen, ich kenne deine Wohnung also noch nicht. Ich habe mir von dir gewünscht, genau das auszunutzen. Ich weiß nicht wie es bei dir zuhause aussieht, wie es riecht, wo sich was befindet. Mit diesem Gefühl will ich spielen: in einer fremden Umgebung zu sein und mich nicht auszukennen.


Du empfängst mich schon im Treppenhaus. Ich sehe das schwarze Tuch in deiner Hand und weiß genau, was du vorhast. Langsam gehe ich die letzten Treppenstufen hoch zu dir und lasse zu, dass du mir eine Art Strumpfmaske über den Kopf ziehst und mich etwas unsanft in deine Wohnung schubst. Du schließt die Tür hinter uns. Plötzlich habe ich Lust, mich ein bisschen zu wehren, was dich aber erst einmal nicht großartig beeindruckt. Du drückst mich mit dem Gesicht gegen die Wand. Ich genieße es zu spüren, wie sehr du mir körperlich überlegen bist und es macht mir Spaß, dich zu provozieren. Ich weigere mich, deine Anweisungen zu befolgen, drehe meinen Kopf weg, winde mich aus deinem Griff heraus. Ich bin ein bisschen aufgekratzt und giggelig. Als ich versuche dich zu beißen, setzt du dem Ganzen allerdings ziemlich schnell ein Ende.


Weil ich nichts sehen kann, werden alle anderen Sinneseindrücke automatisch verstärkt. Meine räumliche Wahrnehmung ist verzerrt. Musik und andere Geräusche wirken lauter, Distanzen größer, Berührungen intensiver. Zwischendurch erhasche ich durch den schwarzen Stoff hindurch verschwommene Blicke auf meine Umgebung. Aus all diesen Wahrnehmungsfetzen entsteht vor meinem inneren Auge das Bild eines Raumes. In meiner Erinnerung sehe ich uns beide in dieser Paralleluniversum-Wohnung, die nur in meinem Kopf existiert: Es ist ein einziger riesiger Raum mit Deckenbalken, Holzfußboden und einem elaborierten Soundsystem. Darin eine offene Wohnküche, ein großes Ledersofa und ein Bett. Das Licht ist gedimmt, es ist muckelig warm und die Bettwäsche riecht nach dir. 


Unser Spiel hat wie immer ein hohes Tempo. Es passieren so viele Dinge gleichzeitig, dass ich irgendwann nicht mehr weiß wo oben und unten ist, welcher Teil meines Körpers mir am meisten wehtut und wie oft ich schon gekommen bin. Schmerz geht in Erregung über und andersherum. Ich verliere mich in dieser Vielzahl körperlicher Empfindungen. Auch die emotionale Intensität ist hoch. Viele kleine Momente der Erniedrigung lassen mich tiefer und tiefer abtauchen. Du lässt mich auf dem Boden herumkrabbeln. Du ohrfeigst und bespuckst mich. Du tust mir weh, bis ich anfange zu jammern und zu betteln. Du fixierst mich in einer Position, in der ich mich sehr anstrengen muss um mein Gleichgewicht zu halten, und machst dich dann über mich lustig. Du sagst mir schlimme Dinge ins Ohr (das kannst du wirklich besonders gut). Ich erlebe eine wilde Mischung widersprüchlicher Gefühle. Wut und Trotz wechseln sich ab mit Scham und Hilflosigkeit. Irgendwann überwiegt ein Gefühl von Ergebenheit. Ich spüre, dass du gerade am besten weißt, was ich brauche.


Nach einer kleinen Pause, während der du mich mit Wasser und Schokolade versorgst, landen wir im Bett, ich auf allen Vieren vor dir. Du ziehst an meinem Halsband und ich merke, dass mir etwas schummrig wird. Ich lasse mich buchstäblich in dieses schummrige Gefühl hineinfallen, indem ich mich noch etwas nach vorn beuge. Dann bin ich weg. Nach diesem kurzen Blackout erlebe ich den für mich mit Abstand intensivsten Moment unserer gesamten Session: Ich komme wieder zu mir und habe keine Ahnung, wo ich bin. Ich spüre dich hinter mir, und in mir drin, aber ich weiß im ersten Moment nicht wer du bist. Ich schaue mich um. Mein Blick wandert durch das noch immer ungewohnte Zimmer, während ich versuche, mich zu orientieren. Es dauert ein paar Sekunden, bis ich wieder weiß, was hier gerade passiert. Dieser kurze Moment völliger Hilflosigkeit ist wahnsinnig intensiv. Er ist zu kurz, um echte Panik auszulösen. Aber gerade lang genug, um mich dieses Gefühl des Ausgeliefertseins mit jeder Faser meines Körpers spüren zu lassen. Es ist ein merkwürdiger Zustand – intensiv, fast überwältigend und zugleich faszinierend, weil ich genau weiß, dass er gleich vorübergehen wird. Es ist, als würde ich mich für einen Augenblick ins Nichts fallen lassen, ohne dabei wirklich die Kontrolle zu verlieren.







 
 
 

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